interkulturelle Waldorfschule Berlin

Methodisches in Klasse 3 – 4

Nationalitäten werden vor dem sog. „Rubikon“ in der 3. Klasse von den Kindern selbst noch nicht wahrgenommen. Der Lehrer kann jetzt die Vielfalt der Welt zeigen. Das Hauptziel ist, für Begegnungen untereinander zu sorgen und Begegnungen mit der Welt zu initiieren. Möglichkeiten bieten Schöpfungsgeschichten aus allen zeitgeschichtlichen Epochen und aller Welt. Die Vielfalt der Welt kann anhand der Schöpfungsmythen aus verschiedenen Religionen aufgezeigt werden. Die Sachkunde hilft den Kindern, Ideen von der Welt zu entwickeln. Die Hausbauepoche z.B. kann die Häuser in aller Welt zum Inhalt haben. Auch über die Landbauepoche soll die Welt in den Unterricht hereingeholt werden.


Gegen Ende des dritten Schuljahres geraten die Kinder in den sog. „Rubikon“. Die Gesichtszüge werden bestimmter, und das Kind insgesamt erdenfester. Von vielen Kindern wird dieses Reifen jedoch zugleich als Verlust erlebt. Sie geraten in eine innere Krise, die sich in Albträumen, Existenz-Ängsten, oder gesundheitlichen Schwierigkeiten äußert. Erzählstoffe aus aller Welt können die Sinnhaftigkeit dieser „Götterdämmerung“ vermitteln, und so Sicherheit geben.


Nach dem Rubikon kann das Kind sich in ein bewussteres Verhältnis zu einem Gegenüber bringen Ich und Du treten als neues Verhältnis zur Welt auf. Jetzt ist die Zeit, in der sich die Kinder „neu“ positionieren in der Umwelt. Die Heimatkundeepoche wird gewöhnlich in dieser Zeit gegeben. Was bedeutet Heimat? Was bedeutet Standortwechsel innerlich und äußerlich? Welche Perspektive habe ich? Alles Fragen, die zu besonderen Gesprächen und Geschichten hinführen können. Themen, welche die Welt ins Klassenzimmer holen, wenn Kinder aus ganz unterschiedlichen Weltgegenden in der Klasse sind. Durch Heimatkunde und Geschichten über die Entstehung der (Wahl-)Heimat mit wöchentlichen gemeinsamen Ausflügen, die immer weitere Kreise um die Schule ziehen, können jetzt Heimatgefühle geweckt werden. Der „Genius loci“ wird gesucht. Verbinden lässt sich das mitpraktischen Übungen, z.B. für das Fahren mit dem ÖPNV entwickelt werden. Die Kinder können gefragt werden, wo ihr Herz schlägt und wo sie sich wohl fühlen. In der Kunst kann interkulturelle Ornamentalistik aus aller Welt einfließen.


Grundsätzlich sucht das Kind nun ein neues Verhältnis zu jenem selbstverständlichen Eingebunden-Sein in Alles, in dem es sich bis dahin aufgehoben fühlte. Die frühere Selbstverständlichkeit der Teilhabe wird jetzt mehr zu einem Betrachten und Verstehen des Geschehens, um sich in späteren Jahren wieder zu einer Identität „zu vereinigen“-nun aber bewusst. Dieser Prozess muss nicht zwingend in den großen mythischen Bildern der Edda geschildert werden. Möglicherweise finden sich in anderen Kulturkreisen ähnliche Schilderungen vom „Fall“ der Götter ins Erden-Bewusstsein. Damit zusammenhängend kann nun auch begonnen werden, das wirtschaftliche Umfeld kennen zu lernen, zunächst in einfacheren Erscheinungen wie in Forst-, Land-oder Wasserwirtschaft.